Religionsunterricht Klasse 5 und 6 (ev): Jesus – ein Junge aus Nazareth

Raffael: Sixtinische Madonna, Foto: Wikipedia

Jesus – ein jüdischer Junge aus Nazareth

Auszüge aus Marias Tagebuch

Wir sind immer noch in Bethlehem. Die Geburt von unserem kleinen Jesus ist schon acht Tage her und heute war wieder ein wichtiger Tag. Denn heute wurde Jesus beschnitten, und er bekam auch offiziell seinen Namen. „Jesus“ bedeutet „Gott hilft“.

Jetzt ist Jesus ein richtiger Jude! Langsam habe ich genug von dem Stall und ich bin froh, wenn wir wieder daheim in Nazareth sind.

Heute ist Jesus mit den anderen Fünfjährigen in die Schule gekommen. Die Schule befindet sich in der Synagoge. Gott sei Dank ist der Rabbi, das heißt der Lehrer, ein Netter.

Jesus lernt dort vor allen Dingen die Tora, unsere heilige Schrift. Hoffentlich macht er nicht so viel Unsinn …

Endlich wieder Sabbat! Ich bin immer froh, wenn am Freitagabend unser Ruhetag beginnt. Bis Samstagabend überhaupt keine Arbeit! Wie jeden Sabbat gehen wir morgen mit Jesus und seinen jüngeren Geschwistern in die Synagoge zum Gottesdienst und zum Beten. Jesus kann schon fast alle Gebete auswendig.  Dieses Jahr wollen wir mit vielen anderen das Passafest in Jerusalem feiern und morgen geht es los! Wir sind alle schon aufgeregt. Hoffentlich ist die lange Wanderung – Josef rechnet mit sieben Tagen – nicht zu anstrengend für unseren Jesus.

Aber er freut sich riesig drauf und kann es kaum erwarten, endlich den Tempel in Jerusalem zu sehen.

Wir sind wieder zu Hause! Die acht Tage beim Passafest in Jerusalem waren toll.  Wetter war gut und Jesus war von allem ganz begeistert. Aber auf dem Heimweg gab es eine große Aufregung: Jesus war plötzlich verschwunden! Am Anfang hatten wir es gar nicht bemerkt. Wir hatten gedacht, dass Jesus mit den Verwandten und deren Kindern vorausgegangen ist. Aber als es Abend wurde, hatte niemand Jesus gesehen.

Sofort sind Josef und ich wieder zurück nach Jerusalem. Und nach drei Tagen, als wir schon ganz verzweifelt waren, haben wir ihn endlich gefunden! Er saß im Vorhof der Männer im Tempel, redete mit den Gelehrten und stellte Fragen. Alle waren erstaunt über sein Wissen und sein Verständnis. Nur Josef und ich nicht.

Ich habe laut mit ihm geschimpft: „Mensch Jesus! Was ist bloß in dich gefahren?“ Warum um alles in der Welt bist du denn hiergeblieben? Seit drei Tagen suchen wir dich. Wir haben uns solche Sorgen gemacht!“ Und was antwortete er, der Bengel?

„Warum habt ihr mich denn gesucht? Ihr hättet euch doch denken können, dass ich hier im Haus meines himmlischen Vaters bin.“ Manchmal möchte ich wirklich wissen, was so im Kopf eines Zwölfjährigen vorgeht.

Heute feierte unser Jesus seine Bar-Mizwa. Es war ein großes Fest mit vielen Gästen! Jesus durfte dabei zum ersten Mal im Gottesdienst aus der Tora vorlesen. Super hat er das gemacht! Wir waren ganz stolz auf ihn. Obwohl er erst 13 Jahre alt ist, zählt Jesus jetzt zu den Erwachsenen. Und wie ein Erwachsener hat er nun auch zum ersten Mal beim Gebet seine Gebetsriemen und den Gebetsmantel getragen.